Hat sich schon mal jemand gefragt, wie es an Silvester Tieren geht, die nicht im Haus und der Wohnung leben? Was ist mit den Kühen und Pferden auf der Weide, den Vögeln, welche hier überwintern? Einige europäische Länder mit einem Straßenhund-Problem feiern auch Silvester mit Knallerei, Feuerwerk und Raketen. Was tun wohl die Straßenhunde in der Silvester-Nacht.
Ein Hund kann Donner und Knallerei nicht zuordnen und darum bedeuten sie eine  Gefahr. Bei Gefahr gilt es, sich zu schützen und zu flüchten. Hunde verkriechen sich oft und suchen Schutz vor einer unbekannten, nicht einschätzbaren Gefahr.
Die Tiere in freier Natur können wir Menschen nicht beeinflussen, aber der Hund im Haus an meiner Seite bekommt meine Aufmerksamkeit, weil er vor der Knallerei nicht flüchten kann. Wenn ein Hund nicht durch den Züchter oder späteren Besitzer frühzeitig mit Umweltgeräuschen konfrontiert bzw. vertraut gemacht wurde, ist die Wahrscheinlichkeit der Instabilität bei lauten, spontan auftretenden Geräuschen sehr hoch.
In unserem Umgang mit Hunden besteht oft die Gefahr, dass wir vor allem junge Hunde durch unser „Kümmern“ in ihren natürlichen Reaktionen stark beeinflussen, da wir eine Angstreaktion erwarten oder geradezu voraussetzen.

All das Kümmern kann dafür sorgen, dass man genau das Verhalten bestätigt, welches man eigentlich abstellen möchte. Dieses „falsche Training“ hat seine Ursache oft in einer Fehlinterpretation des Verhaltens des Hundes. Nicht jedes Verhalten ist auf Angst zurückzuführen.

Wenn ein Hund in der Silvesternacht die erste Knallerei hört, hat er dafür keine Erklärung und muss da jetzt so durch. Einige Hunde frieren erst mal ein und verharren. Dann gibt es die, die sich erschrecken und sofort Schutz unter einem Tisch oder Sofa suchen. Einige rennen zum Fenster und bellen. Einige lagen und bleiben auch liegen, drehen die Ohren und schauen so, als wäre es nichts besonderes.  Meine eigene Hündin Houkey, fängt kurz vor einem Gewitter an, etwas unruhig zu werden, was mit Luftveränderung oder anderen physikalischen Ursachen zu tun haben könnte. Als Zufall kann ich das nicht mehr sehen, weil sie so schon des öfteren Gewitter angesagt hat. Aber Hunde schauen natürlich auch, wie der Rest des Rudels, auch die Zweibeiner, mit der Situation umgehen. Wird da einer nervös und hektisch, kann es sein, dass der Hund sich anschließt und auch einen Gang höher schaltet, anfängt zu bellen oder in der Wohnung hin und her läuft.

Typisch menschliche Worte, die den Hund beruhigen sollen, versteht er nicht, ich kann ihm da nichts, aber auch wirklich gar nichts erklären. Ich kann mich nur verhalten, und das am besten so wie es zu meinem Typ Hund passt. Die letzten Minuten im alten Jahr sind meist mit aufstehen, Sekt einschenken, anstoßen, umarmen, lauten Geräuschen wie „FROHES NEUES JAHR“  und vor allem Jacke anziehen verbunden, weil es ja gleich zum Feuerwerk auf die Straße gehen soll. Ein Hund erlebt diese Situation zwar nur einmal im ersten Lebensjahr, aber sicher in der Prägephase und da brennt sich etwas ein, das Hund und Besitzer noch sehr lange begleiten kann.

Bevor einer die folgenden Tipps umsetzt, möchte ich noch mal auf Folgendes hinweisen. Ein Buch, eine Hundesendung, oder Tipps aus einer Hundezeitschrift sollten nicht ohne vorher einen Experten zu fragen am eigenen Hund angewandt werden. Vor allem die Vergabe von Medikamenten und Beruhigungsmitteln sollte ausschließlich nach Rücksprache mit einem Arzt stattfinden.

Angst der Hunde vor Feuerwerk und Knallerei ist jedes Silvester wieder ein Problem
Ängstlicher Chihuahua während Feuerwerk und Knallerei an Silvester.

Qualitativ hochwertige Aufnahmen gibt es nicht nur im Handel. Hier ist zum Beispiel eine hervorragende Aufnahme eines Feuerwerks an der Themse von London Sound Survey auf soundcloud.com

Entspannter Hund während einer Feier mit Knallerei und Feuerwerk

Foto von Flickr-User gomagoti unter Creative Commons Lizenz 2.0 (Generic)

Ein paar Verhaltenstipps:
1. Gewöhnung:

Im Handel oder bei Amazon gibt es CDs mit Geräuschen für Hobbyfilmer. Die Geräusche des Feuerwerks sollten echt sein, also nicht über Computer synthetisch erzeugt worden sein. Insbesondere Hunde können unterschiedliche Geräuschquellen sehr gut unterscheiden. In einer für den Hund angenehmen Umgebung sollte er über einen Zeitraum von mindestens mehreren Wochen und mit langsam gesteigerter Lautstärke immer wieder mal mit den Geräuschen konfrontiert werden, um die Besonderheit von Situation und Geräusch zu entschärfen.

2. Kontrolle des eigenen Verhaltens:

Jeder Versuch der Beruhigung kann den Hund in seinem Verhalten bestätigen. Abhängig vom jeweils gezeigten Verhalten, sollte man überlegen, ob man es zulassen möchte oder nicht. Während ein Verstecken bei Feuerwerk für Hund und Besitzer durchaus gut ist, kann aufgeregtes Bellen oder herumspringen für alle Beteiligten negativ sein und sollte auf keinen Fall durch Besitzerverhalten verstärkt werden.
Generell ist ein unauffälliges, fast alltägliches Verhalten des Besitzers der Situation und dem Ergebnis am zuträglichsten. Tipps für das richtige Verhalten gegenüber einem Hund, der während der Knallerei die Nähe seines Besitzers sucht, sind an dieser Stelle am schwersten zu geben, weil man diese Tiere eigentlich im Einzelnen beurteilen muss. Generell kann man einem Besitzer nur empfehlen zu überlegen, ob er das gezeigte Verhalten zulassen möchte.
Man sollte sich unbedingt klarmachen, dass man in einer solchen Situation nur das Verhalten beeinflussen kann, die Angst als Ursache für das Verhalten muss man versuchen im Vorfeld abzubauen.

3. Rituale für Silvester.

Der letzte Spaziergang sollte vor dem Einsetzen der ersten Kracher stattfinden. Je nach Wohnort kann das sogar schon der frühe Nachmittag sein, da insbesondere Jugendliche gerne schon mal früher Knaller zünden. Sie sollten dem Tier Rückzugsräume bieten. Das kann ein eigener Raum, Platz unter einem Bett, Stuhl oder einer Decke oder gar eine Hundetransportbox sein. Manchmal hilft es auch, Ablenkungsgeräusche wie Radio oder Fernsehen einzuschalten.

4. Medikamente

Hier muss ich als Trainer von konkreten Tipps Abstand nehmen. In vielen Foren werden von medizinischen Laien Tipps zu Beruhigungsmitteln oder Antidrepessiva gegeben. Das reicht von zweifelhaften homöopathischen Tipps bis hin zu geradezu  gefährlichen Medikamenten aus der Humanmedizin. Es gibt zwar unterschiedliche Medikamente, die bei Hunden angewendet werden können, aber da Präparate, Dosierung und Vergabezeitpunkt bei jedem Hund anders ausfallen können, kann und sollte nur ein Tierarzt nach Begutachtung des jeweiligen Tieres und seines Gesundheitszustands dazu etwas sagen.

Nehmen sie solche Foren-Tipps keinesfalls auf die leichte Schulter, die Gesundheit ihres Hundes könnte davon abhängen

Ich werde im Laufe des Jahres wieder Workshops und Kurse zum Thema Feuerwerk und Angstabbau beim Hund anbieten. Ankündigungen dazu wird es auf facebook oder hier im Blog „Aktuelles“ geben. Wenn sie Interesse haben, können Sie gerne jederzeit Kontakt aufnehmen, je früher desto besser. Angstabbau kann je nach Tier ein langwieriger Prozess sein.